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	<title>Ursula Ott &#8211; #journalistenschule</title>
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	<description>Das medienpädagogische Projekt der DJS</description>
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		<title>Von Pressefreiheit in Russland bis Sex in der Bibel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Steffi Fetz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2019 16:44:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[#journalistenschule]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
		<category><![CDATA[Hauptschule]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Ursula Ott (22. LR.) ist Chefredakteurin von &#8220;chrismon&#8221;. Am Tag der Pressefreiheit 2019 hat sie die Gablenbergschule in Stuttgart besucht. Ihre Eindrücke: Eigentlich müssten alle Journalistinnen und Journalisten einmal im ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ursula Ott (22. LR.) ist <span class="uott12fett">Chefredakteurin von &#8220;chrismon&#8221;. Am Tag der Pressefreiheit 2019 hat sie die Gablenbergschule in Stuttgart besucht. Ihre Eindrücke: </span><br />
</em></p>
<p>Eigentlich müssten alle Journalistinnen und Journalisten einmal im Jahr in die Schule. Schon um sich diese Basic-Fragen selber zu stellen: Ist das Ihr Traumberuf? – Ähm, ja, war es mal, grade fühlt er sich nicht so cool an. Was dürfen Journalisten gar nicht? – Lügen. Sich kaufen lassen. Langweilen. In welches Land würden Sie im Moment nicht reisen für ein Interview? Da wird es schon echt blamabel. Syrien und Nordirak, sag ich. Da kommt aber ein Schüler her. In die Türkei, sage ich, da zucken schon ein paar mehr. Und ich komme mir vor wie ein feiges Huhn bei der nächsten Frage: Sind Sie schon mal bedroht worden? – Na danke, dass mich letztes Jahr die Lebensschützer und die AfD auf dem Kieker hatten. Sonst hätte und habe ich definitiv weniger riskiert in meinem langen Leben als manche dieser Kinder in ihrem kurzen.</p>
<p>Willkommen in der Gablenbergschule, Werkrealschule im Stuttgarter Osten. Reste-Schule nennen sie uns, sagt der Schulleiter grimmig , jedes Jahr muss er zittern, dass er eine fünfte Klasse zustande bekommt. Ein Achtel der Lehrerstellen sind unbesetzt. Heute fehlen leider auch zehn Schüler aus der 10a und b. Ohne Entschuldigung.</p>
<p>Dass die anderen da sind, „Herzlich Willkommen“ an die Tafel geschrieben haben und zwei Seiten mit wirklich guten Fragen vorbereitet haben – verdanken wir alle zusammen der Lehrerin Ulrike Holoch-Karpf. Ihre Kollegin kennt meinen Schwager Volker Göbel, dessen Ott-Göbel-Jugendstiftung wiederum unsere Aktion #journalistenschule 2019 finanziell fördert. Und so kam es, dass ich dieses Jahr nicht an meine Heimatschule ging, sondern an diese Werkrealschule, früher hieß sie Hauptschule.<br />
Das war eine gute Idee. Nachdem ich letztes Jahr die verschnöselten Abiturienten hatte, deren Eltern aber immerhin noch die „Schwäbische Zeitung“ abonniert haben, jetzt also – wie sagte mir der Schulleiter – das reale Leben. Hat heute schon jemand eine Zeitung in der Hand gehabt? Ja, weil Frau Holoch einen Artikel über Leonardo Da Vinci mitbrachte. Jeden Tag bringt sie einen Artikel mit. „Steht ja so viel drin“, sagt sie. Jeden Tag!</p>
<p>Wenn sie nicht wäre – kämen Zeitungen egal in welchem Aggregatszustand einfach nicht vor hier. Zeitung? „Meinen Sie das, was bei uns immer im Hausflur liegt, obwohl wir einen Aufkleber haben, dass wir keine Werbung wollen?“ Manchmal, sagt einer, liege ein umsonst verteiltes Blatt in diesem – wie sagt man zu dem Ding an der Haustür? Und doch wissen die Mädels und Jungs ganz gut Bescheid, was los ist in der Welt. Anhand der „Reporter-ohne-Grenzen“-Karte reden wir über Wladimir Putin und Fake News, über Afghanistan und über ermordete Journalisten in Saudi-Arabien.</p>
<p>Ich habe gestern mittag um 12 von T-Online und Spiegel Online zehn Meldungen abgegriffen, aus denen Schülerinnen und Schüler eine Radiosendung machen sollen. Super Diskussion. Der Autofahrer, der von der Sonne geblendet in eine Schranke rast – ist der wichtiger als sechs Tote im Gazastreifen? Nein, aber wichtiger als die Fabrikexplosion mit zehn Toten in den USA, oder? Und der neue PC Virus, der muss dringend rein.<br />
Surprise: auch für die Kirche interessieren sich diese 17-Jährigen. „Sex in der Bibel“– warum haben wir ausgerechnet diese Zeile auf den Titel von chrismon genommen? Und stimmt es, was sie auf facebook gefunden haben: Dass ein evangelischer Pfarrer in Stuttgart sich weigert Schwule zu trauen? Ja, das stimmt leider. Kirche erklären ist noch anspruchsvoller als Medien erklären.</p>
<p>Ich mag diese Klasse. Sie sind interessiert, sie trauen sich auch Vorurteile vorzubringen („Kennen Sie Frau Merkel?“) – und zum Abschied gibt’s Kekse. Ob sie jetzt berühmt werden, kann ich nicht ohne weiteres versprechen. Aber ich bin froh, dass mein Medium mit 2360 Followern auf Instagram immerhin vorkommt, sonst würden wir uns wahrscheinlich medial nie wieder sehen. Den einzigen richtigen Clash of Cultures hatte ich übrigens mit dem schwäbischen Hausmeister. Er hat am 1. Mai die Heizung abgestellt, und in diesem Musikraum war es so eisig, dass in unserer chrismon-Redaktion sofort der Betriebsrat intervenieren würde. Aber ist ja nur eine Schule.</p>
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		<title>Ursula Ott in Baden-Württemberg: Über kritische Berichterstattung und Zeitdruck</title>
		<link>https://hashtag-journalistenschule.de/2018/05/03/lebhafte-debatte-ueber-zensur-und-den-pressekodex-in-ravensburg/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=lebhafte-debatte-ueber-zensur-und-den-pressekodex-in-ravensburg</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Leonie Sontheimer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 May 2018 06:36:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[So war's]]></category>
		<category><![CDATA[#journalistenschule]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Chrismon]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Ravensburg]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Ursula Ott]]></category>
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					<description><![CDATA[Ursula Ott (Lehrredaktion 22) ist seit 2015 Chefredakteurin von &#8220;chrismon&#8221;. Im Rahmen der Aktion #journalistenschule hat sie am 30. April das Welfengymnasium in Ravensburg besucht und ist auf kritische Schüler ...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ursula Ott (Lehrredaktion 22) ist </em><span class="uott12fett"><em>seit 2015 Chefredakteurin von &#8220;chrismon&#8221;. Im Rahmen der Aktion #journalistenschule hat sie am 30. April das Welfengymnasium in Ravensburg besucht und ist auf kritische Schüler gestoßen.<br />
</em></span></p>
<p><span style="font-size: large;">Ausgerechnet heute – mein eigener Sohn lernt auf seine letzte Abiprüfung – gehe ich zurück an meine Schule, an der ich 1982 Abitur gemacht habe. Zum ersten Mal übernachte ich im Heimatort Ravensburg im Hotel. Im Gasthof zum Engel, wo ich 1983 für meine Bewerbungsreportage an der DJS („Ein Tag als Kellnerin“) gekellnert habe. Und glatt nach München eingeladen wurde. Juhu!</span></p>
<p><span style="font-size: large;">Richtig viel Zeit für Nostalgie bleibt nicht, hier fängt der Unterricht um 7.30 Uhr an, ich soll um 7.15 Uhr beim Schulleiter sein. Grade noch Zeit, das schwarze Brett zu scannen, aha, es gibt eine Party-AG und eine Wintersport-AG. Sehr sympathisch. Und im Sport-Abi prüfen sie jetzt auf dem Schwebebalken die beidbeinige halbe Drehung im Ballenstand. Alptraum. Was bin ich froh, dass ich seit Mai 1982 nie wieder einen Schwebebalken malträtieren musste.</span></p>
<p>„<span style="font-size: large;">Machen Sie sich auf kritische Schüler gefasst“, sagt Gemeinschaftskunde-Lehrer Raphael Schwendele, der so jung ist, dass er 1982 noch nicht mal geboren war. Moderner guter Lehrer, hat die Jungs und Mädels längst mit Fake News, Populismus und Filterblasen bekannt gemacht. Und tatsächlich – es wird sehr kontrovers. Größter Vorwurf: Ihr verschweigt uns die Hälfte! Ihr wollt uns Eure Meinung aufdrücken! Zensur!</span><span id="more-176"></span></p>
<p><span style="font-size: large;">Ich habe einen kleinen Film mitgebracht, aus dem Hessischen Fernsehen, <a href="http://www.ardmediathek.de/tv/engel-fragt/Engel-fragt-Vor-wem-hat-Deutschland-Ang/hr-fernsehen/Video?bcastId=41202802&amp;documentId=51915560" target="_blank" rel="noopener">„Engel fragt“</a>. E</span><span style="font-size: large;">s geht darin um Shitstorms und Trolle und Hass (in diesem Fall gegen kritische Ärztinnen und Jounalistinnen). Ich komme darin vor, das gibt mir Anlass über meine Arbeit zu berichten. Aber ich nutze den fünfminütigen Film (im Link oben ab Minute 12) auch, um das Publikum zu aktivieren. Sie sollen eine Überschrift und drei Sätze formulieren. Jeder wählt einen anderen Schwerpunkt, wir reden darüber, dass die Reduktion von Komplexität immer stattfindet. Jeder wählt aus. Hat nichts zu tun mit Unterschlagung. Ist Handwerk.</span></p>
<p><span style="font-size: large;">Aber dennoch: Als es an den Pressekodex geht, wird die Debatte sehr lebhaft. Warum wird das Gesicht eines Kinderschänders (O-Ton) vor Gericht verpixelt? Warum nennen JournalistInnen nicht grundsätzlich die Herkunft aus einem islamischen Land? Warum muss Uli Hoeneß mit Namen und Gesicht für seine Steuerdelikte büßen in der Presse – ein ungleich schlimmerer Mörder hingegen nicht? </span></p>
<p><span style="font-size: large;">Da gebe es, sagt einer, eine BKA-Studie, dass „im islamischen Kulturkreis“ signifikant mehr Sexualdelikte vorkommen. Ich frage ihn, wie er es fände, wenn wir bei Uli Hoeneß jedes Mal dazu schreiben, dass im deutschen Kulturkreis signifikant mehr Steuern hinterzogen werden als im islamischen. Es geht hoch her. Ich bin froh, dass ich mir die<a href="http://www.presserat.de/fileadmin/user_upload/Downloads_Dateien/Pressekodex_Leitsaetze_RL12.1.pdf" target="_blank" rel="noopener"> neueste Änderung des Pressekodex</a> zu diesem Thema vorher ausgedruckt habe.</span></p>
<p><span style="font-size: large;">Wir reden viel über Fehler – ja, die Berichterstattung nach der Kölner Silvesternacht war überwiegend gut gemeint und schlecht gemacht. Ja, der Fall Kachelmann ist kein Glanzstück – und ja, er wird schwer wieder rehabilitierbar sein. Aber welchen Anteil hat ein Promi selber an seiner medialen Erzählung? Spannendes Thema.</span></p>
<p><span style="font-size: large;">Wir reden auch über Zeitdruck, das Bestreben bei Nachrichten der Erste zu sein, und dennoch die Sorgfaltspflicht walten zu lassen. „Das ist doch alles Kommerz“, sagt einer, und klar hat er recht: Die Nachricht ist eine Ware. Aber die Nachricht auf seinem Smartphone („ist von Apple, ist da automatisch drauf, da zahl ich nix für“) ist auch eine Ware. Bezahlt mit Daten, von denen wir nicht wissen, wo sie eines Tages landen. Im schlimmsten Fall – das weiß ein Schüler zu berichten – werden mit unseren Handydaten Profile erstellt, die eine Regierung missbraucht wie die chinesische. Da wären wir dann auch endgültig beim Thema Zensur und Pressefreiheit, wir schauen uns die <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/" target="_blank" rel="noopener">neue Weltkarte von Reporter ohne Grenzen</a> an, sie ist erschütternd.</span></p>
<p><span style="font-size: large;">Was bleibt für mich als Journalistin? Diese Schüler sind sehr gut informiert und stellen berechtigte, kluge Fragen. Von der gedruckten Zeitung, die ihre Eltern abonniert haben, halten sie gar nichts („Ein Sonnenaufgang auf dem Titel, und dafür wollen die noch Geld!“). Sie sind sehr misstrauisch unserem Gewerbe gegenüber, und das werden wir mit einem Besuch nicht ändern. Kritik ist ja das beste, was wir von der nächsten Generation erwarten können – wäre ganz schön, wenn sie das Misstrauen auch den Medien gegenüber hätten, die sie anstatt der Zeitung nutzen. Facebook, Focus Online, T-online, Apple und Google – diese wurden genannt. Da gibt’s noch viel zu besprechen, ich setze ganz auf Herrn Schwendele. Und bin froh, dass ich den Tag (mit Anreise waren es eher zwei) investiert habe. Ist ja übrigens auch schön in der Heimat, und das Bier schmeckt besser als in Köln. </span></p>
<p><span style="font-size: large;">Gerne wieder! </span></p>
<p><em><span style="font-size: large;">Mehr Informationen über Ursula Ott und ihre Arbeit: www.ursulaott.de</span></em></p>
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