#journalistenschule

Zum Tag der Pressefreiheit besuchen Absolventen der Deutschen Journalistenschule ihre ehemaligen Schulen, um über und für den Journalismus zu streiten. Die Journalistinnen und Journalisten wollen damit Medienkompetenz stärken und Vertrauen für die Zukunft schaffen. Sie berichten aus ihrem professionellen Alltag und erklären, wie Journalismus gemacht wird.

Seit 2018 erreichten sie mit der Aktion #journalistenschule über 11 500 Schülerinnen und Schülern in ganz Deutschland. 2019 haben die DJS-Alumni verstärkt auch an Real-, Mittel- und Berufsschulen über ethische Grundsätze, Fehlerquellen und “Fake News” diskutiert. Sie wurden dabei von der Ott-Goebel-Jugend-Stiftung unterstützt.

2020

Auch rund um den Tag der Pressefreiheit im Mai 2020 waren viele Schulbesuche geplant. Da die Aktion diesmal leider nicht in den Klassenzimmern stattfinden kann, erzählen hier einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Jahre, was sie bei #journalistenschule mitgenommen haben.

 

Ich war überrascht, dass viele der Jugendlichen trotz aller Konkurrenz aus dem Netz regelmäßig die Rheinpfalz, die gedruckte Zeitung aus der Region lesen.” Lotte Glatt, 55B, war 2018 und 2019 am Karolinengymnasium in Frankenthal.

„Für meinen nächsten Schulbesuch nehme ich mir vor, den Schulen einen Workshop am Nachmittag aus den Rippen zu leiern. “ Eva Heidenfelder, 49B, war seit 2018 an der Frankenlandschule Walldürn, am Karl-Ernst-Gymnasium Amorbach und am Johannes-Butzbach-Gymnasium in Miltenberg. Ihre Erfahrung: „90 Minuten waren bislang zu knapp, um richtig zu diskutieren oder auf Fragen eingehen zu können. Ich würde die Schüler*innen dadurch noch aktiver einbeziehen und zum Mitdenken und Reflektieren animieren.“

Foto: Hauke Bendt
Foto: Hauke Bendt

“Ich habe bei #journalistenschule gelernt, dass Journalismus mehr noch als früher daraus besteht, zu erklären, was wir tun und warum”, sagt Dirk von Gehlen, 34A. Er besuchte 2018 das Gymnasium Broich in Mühlheim an der Ruhr: “Die Zeit, in der wir dachten, eine gute Geschichte finde ihr Publikum, ist vorbei. Wir müssen als Journalist*innen mehr über unsere Arbeit sprechen, wir müssen Transparenz an den richtigen Stellen lernen und den Austausch mit dem Publikum. Die Gespräche in den Schulen waren dafür eine gute Übung.”

Foto: Friedemann Vetter

„Die Jugendlichen waren überrascht, dass in einer Redaktion nicht Chefin oder Chef alleine entscheiden, sondern wie intensiv alle gemeinsam darüber diskutieren, was in welcher Form veröffentlicht wird.“ Antje Eichler, 35A, war 2018 am Humboldtgymnasium in Trier.

Foto: Kathrin Harms

Andreas Unger aus der 37. Lehrredaktion besuchte 2019 die Städtische Berufsschule für Fertigungstechnik München. „Die Jugendlichen wollten nicht unbedingt mehr über Journalismus wissen, sondern vor allem, wie sie richtige von falschen Quellen unterscheiden.“

„Ich selbst war überrascht, dass in den zwei elften Klassen wirklich niemand mehr Facebook nutzte“, sagt Sofia Faltenbacher aus der 53K, die 2019 am Dante-Gymnasium in München war.

Henrik Oerding, 56K, sagt nach seinem Besuch an der Waldschule Hagen in Cuxhaven: „Viele Jugendliche holen sich ihre Informationen über die integrierten News-Apps in iOS/Android. Das hat mich überrascht!“

Foto: Lichter

„Journalistinnen und Journalisten müssen Jugendlichen erklären, wie sie arbeiten, um Vertrauen aufzubauen. Ohne Vertrauen können wir nicht arbeiten. Wir sind darauf angewiesen, dass die Leute uns glauben.“ Valerie Schönian aus der 53A war 2018 und 2019 am Nobertusgymnasium in Magdeburg.

“Ich selbst habe bei #journalistenschule gelernt, dass viele Schülerinnen und Schüler Hintergründe mehr als Schlagzeilen interessieren.” Carsten Hauptmeier aus der 32. Lehrredaktion war 2018 und 2019 an der Bettinaschule in Frankfurt am Main und am Immanuel-Kant-Gymnasium Bad Oeynhausen. „Sie wissen nicht jeden Tag, was gerade die Nachrichten beherrscht, aber sie wollen genau verstehen, was konkret gegen den Klimawandel unternommen wird oder wie es zu einem Bürgerkrieg kommen konnte. Jugendliche vertrauen dabei seriösen Medien, wünschen sich aber oft mehr Erklärungen statt nur News-Häppchen. Sie informieren sich fast nur online und überraschen einen dann doch mit der Ansage: Unsere Schülerzeitung muss gedruckt werden, so hat sie mehr Wert.“

„Manche Jugendliche wussten mehr als ich erwartet hatte darüber, was Journalistinnen und Journalisten heutzutage verdienen. Die Tarifgehälter für Jungredakteure bei Tageszeitungen haben sie auf Anhieb richtig geraten.“ Henriette Löwisch, 25B und heute Schulleiterin, war 2018 am Deutsch-Französischen Gymnasium in Freiburg und 2019 an der Staatlichen Realschule in Bruckmühl.

„Ich selbst war überrascht, dass sich die zweite Frage bei meinem Schulbesuch um Memes drehte – dabei kann man mit ihnen auch Journalismus machen.“ Okan Bellikli, 56K, besuchte 2019 die Oberschule Johann Georg Palitzsch in Dresden.

“Journalistinnen und Journalisten müssen Jugendlichen erklären, wie sie arbeiten, damit sie verstehen, dass es nichts mit Manipulation und Unterschlagung zu tun hat, wenn wir über manche Dinge groß berichten und über andere gar nicht.” Ursula Ott, 22. Lehrredaktion, war 2018 am Welfengymnasium in Ravensburg und 2019 an der Gablenbergschule in Stuttgart. „Mit Übungen, in denen die Jugendlichen selber aus der Nachrichtenfülle eine Sendung oder eine Zeitungsseite basteln, wird klar, was Nachrichtenfaktoren sind, wie ernst wir die Sorgfaltspflicht nehmen und wie wichtig Reduktion von Komplexität ist.“

„Die Jugendlichen wollten mehr wissen über konstruktiven Journalismus. Sie haben sehr kritisiert, dass ein Großteil der Nachrichten negativ sei und wünschen sich eine positivere Berichterstattung.“ Ramona Drosner, 54B, war 2019 bei den 8. Klassen am Pestalozzi-Gymnasium in München.

Manche Jugendliche wussten mehr, als ich erwartet hatte, über den Unterschied zwischen Qualitäts- und Krawallmedien.” Hans Ruoff, 20K, besuchte 2018 das Max-Born-Gymnasium in Backnang.

„Journalistinnen und Journalisten müssen Jugendlichen erklären, wie sie arbeiten, damit diese den Willen entwickeln, Ausgewogenheit anzustreben, wenn sie sich im Nachrichten- und Meinungsdschungel (der Sozialen Medien) Informationen beschaffen.“ Fabian Schmidt, 47A, war 2019 am Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen.

„Die Jugendlichen wollten mehr darüber wissen, wie man JournalistIn wird und wie wir erkennen, was Fake News sind und was wahre Informationen.“ Antonia Franz, 56A, war 2019 an der Realschule Neufahrn in Niederbayern. 

„Die Jugendlichen wollten mehr wissen über den Alltag eines Journalisten und wie wir Fake News entlarven.“ Katja Mitic, 41K, besuchte 2019 die August-Dicke-Schule in Solingen.

„Viele Jugendliche holen sich ihre Informationen über Instagram und Snapchat.“ Christian Wermke aus der 48A war 2018 und 2019 am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Quickborn. „Ich selbst war überrascht, dass kaum einer mehr Facebook nutzt – und die meisten Boris Becker nicht kannten.“

Foto: Rolf Schulten

“Ich war überrascht, wie tief schon bei vielen Schülerinnen und Schülern das Misstrauen gegenüber den klassischen Medien sitzt”, sagt Kai Schächtele, 35B. Er besuchte 2018 und 2019 zusammen mit Marie von Mallinckrodt, 45K, die Rütli-Schule in Berlin: „Die grundlegende Übereinkunft ist aufgekündigt, dass Journalistinnen und Journalisten so lange Vertrauen für ihre Arbeit verdient haben, bis sie das Gegenteil beweisen. Heute gilt: Die Schülerinnen und Schüler verlangen von uns Beweise für die Qualität und Zuverlässigkeit unserer Arbeit. Und das ist jetzt unsere maßgebliche Aufgabe.“

„Die Jugendlichen waren überrascht, dass Journalismus so aufwändig und so wichtig für die Gesellschaft ist – und nicht wenige hatten spontan Lust bekommen, diesen Berufsweg selbst einzuschlagen.“ Timm Klotzek, 34. Lehrredaktion, besuchte 2018 die Wöhlerschule und die Musterschule in Frankfurt am Main.

„Die Jugendlichen waren überrascht, dass wir uns als Zeitung jeden Tag so intensiv Gedanken machen, welche Themen wir wo positionieren und was wir kommentieren -- viele dachten, das würde von irgendwoher „vorgegeben“.“ Lisa Böttinger, 51B, war 2018 am Goethe-Gymnasium in Emmendingen.

Stefan Maier, 22. Lehrredaktion, war 2019 an der Realschule Haag in Oberbayern und 2018 am Maximiliansgymnasium in München. „Journalistinnen und Journalisten müssen Jugendlichen erklären, wie sie arbeiten, damit sie erfahren, dass es eben nicht so ist, dass Merkel oder Söder anrufen und mir sagen, was ich senden soll. Außerdem sollen die Jugendlichen erfahren, was für einen tollen Beruf ich habe. Auch dafür möchte ich werben, wenn ich vor den Schülerinnen und Schülern auftrete.“